Reformatorenbrunnen auf dem Lutherplatz in Nordhausen

Michael Meyenburg

Martin Luther

Justus Jonas

Vor 11 Jahren wurde die Bronzebüste Martin Luthers am 10. November 2003 zu "Martini", dem traditionellen Fest zu Ehren Luthers in Nordhausen, enthüllt. Ihre Aufstellung auf dem Lutherplatz im darauffolgenden Jahr war Abschluss eines mehrjährigen Vorhabens einer Bürgerinitiative. 

Warum dort?
In Nordhausen, am Holzmarkt, dem heutigen Lutherplatz, wurde Justus Jonas geboren, ein enger Vertrauter Luthers. Unweit seines Geburtshauses befand sich in den Zeiten der Reformation die Ratsapotheke. In deren Räumen trafen sich die Ratsmitglieder und Bürger, welche Neues von den Lehren Luthers erfahren wollten, um die ihnen zugegangenen aktuellen Schriften zu studieren und zu besprechen.
Die weniger an religiösen Themen als an humanistischem Gedankengut Interessierten versammelten sich in diesen Tagen am Hagen, im Haus des Stadtsyndikus Michael Meyenburg. Justus Jonas, der in Erfurt studierte und es dort bis zum Rektor der Universität gebracht hatte, war ein Verfechter der humanistischen Ideale. Mehr und mehr wandte er sich Luthers Ideen zu und begleitete diesen 1521 bei seinem Gang zum Reichstag in Worms, in dessen Folge Luther ja auf die Wartburg "entführt" wurde. Später war Justus Jonas ein enger Mitarbeiter Luthers, der dann auch in Luthers Sterbestunde in Eisleben bei ihm war.
Am 10. November 1883, also vor 131 Jahren,  legte man auf dem Holzmarkt den Grundstein zum Lutherdenkmal.

1888 wurde die Statue hoch auf einem großen Brunnen eingeweiht.  Später wurde der Holzmarkt zum Lutherplatz umbenannt. Im Zuge der zunehmenden Motorisierung und der daraufhin folgenden Umstrukturierung der Straßen Nordhausens wurde der Brunnen entfernt und die Lutherstatue auf einem einfachen Sockel am Rathaus aufgestellt. 1943 verschwand die Bronzefigur, wahrscheinlich, um zu Rüstungszwecken eingeschmolzen zu werden.

Der Lutherplatz in seiner historischen Struktur ist 1945 beim Bombenangriff völlig vernichtet worden.

Der Wiederaufbau bewahrte nicht die alten Proportionen. Der Platzcharakter ging verloren, in die Mitte des Areals entstand eine Grünanlage. Dort wurde 1971 ein Stadtbrunnen des Bildhauers Jürgen v. Woyski mit Architekturmotiven des alten Nordhausens installiert.

Er verschwand in den Jahren um 1989, dem Vernehmen nach auf Grund von Materialschäden. Danach blieb zunächst alles beim Alten

Eine Bürgerinitiative gründete sich Ende der 90er Jahre, um ein Projekt zur Umgestaltung des Lutherplatzes voranzutreiben. Die Anlage mit Grünflächen und Wegen wurde beibehalten, aber abgeändert. Ein Lutherbrunnen sollte an die Stelle des Stadtbrunnens treten.  Daraufhin ist in mehreren Schritten, teils unter Einspruch von außen, jedoch mit wenig konstruktiven Beiträgen die Idee des Lutherbrunnens variiert worden.

Die Tatsache, dass Luther nicht zwingend eine Brunnenfigur abgibt, führte zu der Idee, Brunnen und Skulptur zu trennen. Der Brunnen stand jetzt für die Quelle des Geistes, der vom Wasser symbolisiert wird, mal sprudelnd, mal versiegt, aber als etwas Lebendiges im Licht des Tages bzw. von Lampen erhellt eine eigenen Formensprache entwickelt.

Da nicht genügend Mittel bereitstanden, eine Ganzfigur Luthers zu schaffen, und diese auch nicht in die geplante Struktur des Platzes einzufügen gewesen wäre, entstand die Idee, der Reformation in Nordhausen diesen Platz zu widmen. Justus Jonas als dort Geborener zu gedenken lag nahe. Luther durfte auf dem Lutherplatz nicht fehlen. Von vielen wichtigen Personen der Nordhäuser Reformationsjahre, wie Lorenz Süße, Blasius Michel, Johannes Spangenberg waren keine, oder nur ungefähre Porträts aufzufinden. Besser stand es da um Michael Meyenburg. Dessen Bild von der Hand Cranachs ist seit 1945 auch nur als Kopie in der Blasiikirche vorhanden. Meyenburg hat als Praktiker, Stadtsyndikus und Bürgermeister der Reformation in Nordhausen politisch den Weg geebnet und vieles erst möglich gemacht.

 Um nicht eine Aufreihung von Porträts in den Raum zustellen, ist das mit unter schwierige Verhältnis der dargestellten Personen berücksichtigt worden. Luthers Büste steht allein etwa dort, wo früher der Lutherbrunnen stand. Er sieht, wie damals, zum Rathaus, bzw. dorthin, wo die Hauptkirche Nordhausens, St. Nicolai, bis zur Zerstörung 1945 stand. Er dreht somit Meyenburg den Rücken zu, über den er wegen dessen mitunter rücksichtslosen politischen Vergehen, ja Ränkespielen, verärgert war. Jonas, der mit beiden befreundet war, neigt sich vermittelnd dem Abseitsgestellten zu. Die Büsten wurden von dem Bildhauer Peter Genßler geschaffen, sind aus Bronze und wurden von der Gießerei Gebr. Ihle, Dresden, gegossen und montiert.